Einsamkeit im Alter

Einsamkeit ist bei älteren Menschen in der Schweiz weit verbreitet und stellt ein Risiko für ihre Gesundheit dar. Darüber zu sprechen, fällt Betroffenen schwer, ist aber für die Prävention entscheidend. Betreuung und Unterstützung im Alltag können Abhilfe schaffen.

Ein Mann steht auf dem Balkon und schaut auf eine Häuserreihe.

«Lange Zeit war mir gar nicht bewusst, dass ich unter Einsamkeit leide. Ich fühlte mich wertlos und wollte mich niemandem zumuten. Ich bin froh, dass ich zu Hause und im Alltag nun Unterstützung erhalte und wieder Kontakte pflege.»

Einsamkeit im Alter ist weit verbreitet 

160’000 Personen im Alter über 62 Jahren leiden in der Schweiz unter Einsamkeit. Die Hintergründe sind so verschieden wie die Definitionen: Einsamkeit darf nicht mit «alleine sein» verwechselt werden. Der Zustand und das Gefühl des Alleinseins sind nicht zwangsläufig mit einem Leiden verbunden. Alleinsein kann auch schön sein. Einsame Menschen leiden dagegen unter sozialer Isolation. Ihnen fehlt der gesellschaftliche Anschluss – die soziale Teilhabe.

Die Quantität von Beziehungen ist nicht entscheidend: Man kann sich auch in Gesellschaft einsam fühlen. Entscheidend ist vielmehr die Qualität von Beziehungen und das Vertrauensverhältnis. Gerade Freundschafts- und Verwandtschaftsbeziehungen sowie Nachbarschaftsbeziehungen legen eine wichtige Basis, um soziale Beziehungen aufzubauen.

Finden Sie eine nationale oder regionale Anlauf- und Meldestelle für Menschen, die unter Einsamkeit leiden.

Zu den Anlaufstellen

Einsamkeit betrifft Jüngere stärker als Ältere

Entgegen der Altersstereotypen ist der Anteil Personen, die sich manchmal oder oft einsam fühlen, bei der Altersgruppe 65+ tiefer als bei den jüngeren Altersgruppen. Laut Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) nimmt der Anteil Menschen, die sich manchmal oder oft einsam zu fühlen, mit zunehmendem Alter ab:

  • 15- bis 24-Jährige: 48 Prozent
  • 25- bis 39-Jährige: 41 Prozent
  • 40- bis 54-Jährige: 38 Prozent
  • 55- bis 64-Jährige: 36 Prozent
  • Über 65-Jährrige: 32 Prozent

Junge Erwachsene sind also stärker von Einsamkeit betroffen. Bei ihnen ist vieles im Umbruch: Sie verlassen das Elternhaus und das familiäre Umfeld. Gleichzeitig vollziehen sie den Einstieg ins Berufsleben. All das bringt Veränderungen des sozialen Netzwerks mit sich. Mit zunehmendem Alter stabilisiert sich dieses Netzwerk: Viele gründen eine Familie oder leben in einer Partnerschaft. Einsamkeit variiert dabei je nach Lebenssituation.

Das gilt auch für die ältere Personengruppe: So leiden kranke, einkommensschwache und bildungsferne ältere und hochaltrige Menschen häufiger unter Einsamkeit als gesunde, einkommensstarke und gut ausgebildete Gleichaltrige. Neben Kontakten zu Familienangehörigen und Freunden ist eine erfüllte Partnerbeziehung entscheidend, um Einsamkeit im Alter zu vermeiden. Einsamkeitsgefühle im Alter treten häufiger auf, wenn eine Partnerbeziehung aufgrund von Scheidung oder Verwitwung wegfällt. Und im Alter fällt es schwerer, neue Kontakte zu knüpfen.

Dokumentarfilm «Einsamkeit hat viele Gesichter»

 

Negative Auswirkungen von Einsamkeit im Alter

Einsamkeit stellt gerade im fortgeschrittenen Alter ein Risiko für die Gesundheit dar. Ältere Menschen, die sich einsam fühlen, haben nicht nur eine kürzere Lebenserwartung, sondern leiden häufiger unter Bluthochdruck und Depressionen. Sie bewegen sich weniger, stehen unter erhöhtem Stress und erkranken eher an Demenz oder Alzheimer

Besonders von Einsamkeit im Alter gefährdete Gruppen sind Verwitwete, finanziell Benachteiligte, betreuende und pflegende Angehörige, zu Hause lebende Pflegebedürftige, Seh- und Hörbehinderte, frisch Pensionierte, Getrennte und Geschiedene sowie vulnerable Personen.

Angebote gegen Einsamkeit im Alter

Einsamkeit ist in unserer Gesellschaft ein Tabuthema. Dabei kann sie jeden und jede treffen. Schämen Sie sich nicht dafür. Sie sind nicht allein. Darüber zu reden, mag schwer fallen, ist aber wichtig. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Einsamkeit führt dazu, dass Sie der Ursache auf den Grund gehen. Informieren Sie sich zum Thema. Kontaktieren Sie eine Fachstelle und holen Sie sich professionelle Unterstützung.

Einsamkeit im Alter kann sogar zu Eintritten in Alters- oder Pflegeheime führen, obschon die Betroffenen gar nicht pflegebedürftig sind. Einsame Seniorinnen und Senioren sind ganz besonders auf Hilfen zu Hause sowie auf Besuchs- und Begleitdienste angewiesen, um langfristig gut zu Hause leben zu können. Viele Heimeintritte könnten dank bedarfsgerechter Betreuung daheim nicht nur hinausgezögert, sondern sogar vermieden werden. Informieren Sie sich über die verschiedenen Entlastungsmöglichkeiten.

Freizeitaktivitäten können älteren Menschen helfen, sich weniger einsam zu fühlen und einen Abbau ihrer kognitiven Fähigkeiten zu vermeiden. Dabei ist es zentral, dass diese Aktivitäten eine Kontinuität aufweisen, also regelmässig und mit denselben Personen stattfinden. Letztlich ist die Qualität der Beziehung entscheidend, um Einsamkeit entgegenzuwirken. Wir bieten Ihnen deshalb in der ganzen Schweiz zahlreiche spannende Aktivitäten und Kurse.

Für einsame Personen empfehlen sich insbesondere Aktivtäten, die einen Bewegungsanteil enthalten, da sich einsame Personen erwiesenermassen weniger bewegen. Dabei lassen sich Bewegung und sozialer Austausch meist wunderbar verbinden. Entscheidend ist auch hier die Regelmässigkeit und Qualität des Angebots und der Beziehungen. Wir bieten Seniorinnen und Senioren in der ganzen Schweiz verschiedenste Bewegungs- und Sportangebote wie Gymnastik, Aqua-Fitness, Yoga, Pilates, Schwimmen oder auch Wander- und Spazierangebote in Gruppen.

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