Eigene wissenschaftliche Analysen auf Datenbasis des Schweizerischen Alterssurvey
Haben Sie Interesse, auf Basis der Daten des Schweizerischen Alterssurveys eigenständige wissenschaftliche Analysen durchzuführen und publikationsfähige Paper zu entwickeln? Im Rahmen eines mehrtägigen Workshops im Tessin bieten wir (Nachwuchs-)Forschenden die Möglichkeit, empirisch fundierte Beiträge zu zentralen Fragestellungen des Alterns in der Schweiz zu erarbeiten.
Workshop
| Termin Workshop: | 26. bis 30. Oktober 2026 (Anreise am 25. Oktober, Abreise am 30. Oktober) |
| Ort: | Tessin (Genauer Ort wird noch bekannt gegeben) |
| Kosten: | Reisekosten, Übernachtungskosten inkl. Frühstück und Mittagessen sowie das erste Abendessen werden von Pro Senectute Schweiz übernommen |
Im Workshop arbeiten Sie in kleinen Teams (2–3 Personen) oder einzeln an klar abgegrenzten empirischen Fragestellungen. Im Zentrum stehen:
- die gemeinsame Diskussion von Forschungsfragen und Analyseansätzen
- die eigenständige Auswertung der Daten des Schweizerischen Alterssurvey
- die Ausarbeitung eines kohärenten wissenschaftlichen Manuskripts
Prof. Dr. Matthias Kliegel (Universität Genf), Prof. Dr. Rainer Gabriel (ZHAW) und weitere Fachpersonen begleiten den Workshop fachlich.
Hinweis:
Der Workshop versteht sich als geschützter wissenschaftlicher Arbeitsraum. Eine wertschätzende, kooperative Arbeitsweise sowie die Bereitschaft zur Diskussion und Rückmeldung werden vorausgesetzt.
Während bzw. kurz nach dem Workshop
- Präsentation der Forschungsfrage, Methodik und zentraler Ergebnisse
- Wissenschaftliches Working Paper / Preprint (ca. 8–12 Seiten)
- Kurzfassung / Policy Summary (1 Seite, verständlich für Praxis und Politik)
Mittelfristig
- Weiterentwicklung des Manuskripts zu einem Peer-Review-Artikel (z. B. Fach-zeitschrift oder Sammelband)
- Sichtbarkeit der Beiträge im Rahmen der wissenschaftlichen und fachöffentli-chen Kommunikation
- Falls gewünscht: Verfassen eines weiteren Teilberichtes basierend auf dem erstellten Working Paper in Zusammenarbeit mit Pro Senectute Schweiz
Der Workshop richtet sich an Forschende, die bereits Erfahrung in der quantitativen Datenanalyse haben und ein konkretes Forschungsinteresse im Themenfeld Alter(n) verfolgen.
Wir suchen bis zu 10 Teilnehmende, insbesondere:
- (Nachwuchs-)Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Soziologie, Gerontologie, Sozialpolitik, Gesundheitswissenschaften, Bildungsforschung, Ökonomie oder verwandten Disziplinen
- Forschende mit Erfahrung in quantitativen Analysen und im Umgang mit Umfragedaten
Der Workshop ist keine Einführung in Datensätze oder Statistik, sondern setzt entsprechende methodische Vorkenntnisse voraus.
Die Bewerbenden sollten sich auf eine oder mehrere der unten angegebenen Fragestellungen oder weitere relevante Themen beziehen. Ziel ist die empirische Bearbeitung dieser Forschungsfragen auf Basis der Daten des Schweizerischen Alterssurveys. Weitere Datenquellen können als Ergänzung hinzugezogen werden. Explorative Analysen mit transparenter Methodik sind ausdrücklich erwünscht. Ebenfalls denkbar sind Projekte mit Praxisbezug, die nicht zwingend eine Publikation in einem peer reviewed journal zur Folge haben. Rein konzeptionelle Arbeiten oder Machbarkeitsstudien ohne konkrete Auswertungsstrategie sind nicht vorgesehen.
Die folgenden Themencluster orientieren sich an zentralen Herausforderungen und Gestaltungsfeldern des Alterns in der Schweiz. Bewerbende sollen sich in ihren Projektskizzen auf eines oder mehrere dieser oder ähnlicher Themenfelder beziehen und ihre Fragestellungen auf Basis der Daten des Schweizerischen Alterssurveys empirisch bearbeiten.
1) Arbeitsmarktbeteiligung im höheren Lebensalter
- Welche individuellen (z. B. Bildung, Gesundheit, Geschlecht) und strukturellen Faktoren (z. B. Branche, Arbeitsbedingungen) beeinflussen die Fortsetzung oder Beendigung der Erwerbstätigkeit?
- Inwiefern bestehen soziale Ungleichheiten in der Möglichkeit, länger erwerbstätig zu bleiben?
2) Vulnerabilität und soziale Risiken im Alter
- Welche Formen von Vulnerabilität lassen sich im höheren Lebensalter identifizieren?
- Welche Gruppen sind besonders betroffen und welche Risikofaktoren lassen sich identifizieren?
- Welche individuellen und sozialen Ressourcen oder Aktivitäten können präventiv wirken?
3) Psychische Gesundheit (Mental und Cognitive Health)
- Wie verbreitet sind psychische Belastungen, depressive Symptome oder Einsamkeit im höheren Lebensalter?
- Welche individuellen und sozialen Faktoren stehen mit psychischer Gesundheit im Alter in Zusammenhang?
- Welche Faktoren tragen zu kognitiver Gesundheit im Alter bei (Kognition als Outcome)?
- Welche Rolle spielen Kognitive Ressourcen bei der Erklärung von Vulnerabilitäten im Alter (Kognition als Prädiktor, Mediator oder Moderator)?
4) Zufriedenheit mit den Lebensbedingungen
- Wie bewerten ältere Menschen ihre Lebensbedingungen insgesamt und in einzelnen Lebensbereichen (z. B. finanzielle Situation, soziale Beziehungen)?
- Welche Faktoren beeinflussen Lebenszufriedenheit und subjektives Wohlbefinden im Alter?
- Wie stabil oder veränderlich ist die Zufriedenheit mit zunehmendem Alter oder bei Übergängen (z. B. Pensionierung, gesundheitliche Einschnitte)?
- Lassen sich soziale Ungleichheiten in der Zufriedenheit mit Lebensbedingungen empirisch nachweisen?
5) Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung
- Wie verbreitet sind Vorsorgeaufträge und Patientenverfügungen in der älteren Bevölkerung?
- Welche soziodemografischen, gesundheitlichen und biografischen Faktoren beeinflussen die Erstellung solcher Vorsorgedokumente?
6) Soziales Netz und soziale Beziehungen
- Wie gestalten sich Grösse, Struktur und Qualität sozialer Netzwerke im höheren Lebensalter?
- Welche Bedeutung haben Familie, Freundschaften und informelle Unterstützung für Wohlbefinden, Gesundheit und Lebensbewältigung?
Bewerbung
Die Bewerbung soll folgende Unterlagen umfassen:
- Lebenslauf (CV)
- Kurzes Motivationsschreiben (max. 1 Seite)
- Projektidee (max. 2 Seiten), bestehend aus Thema, klar formulierter Forschungsfrage und ggf. theoretischer Einbettung und Hypothesen
Bewerbungen sind auf Deutsch, Französisch oder Englisch möglich. Dies entspricht auch den im Workshop verwendeten Sprachen. Papers sind nach Absprache auch auf Italienisch möglich.
Nach Eingang der Bewerbungen werden die interessierten Forschenden zur Teilnahme an einem Webinar unter der Leitung von Prof. Dr. Rainer Gabriel (ZHAW) eingeladen. In diesem werden die Konstrukte, welche im Schweizerischen Alterssurvey erhoben wurden, näher erläutert. Zudem erhalten die Teilnehmenden Zugang zu den Daten des Alterssurvey.
In einem zweiten Schritt soll darauf aufbauend das Bewerbungsdossier durch eine Projektskizze ergänzt werden.
Diese Projektskizze (max. 5 Seiten) soll bestehen aus:
- Thema und Abstract
- klar formulierter Forschungsfrage
- theoretischer Einbettung und Hypothesen
- Angabe der vorgesehenen Variablen aus dem Alterssurvey
- ersten Auswertungen, die die Machbarkeit des geplanten Vorgehens zeigen
Die vorgeschlagenen Projekte sollen:
- auf klar abgegrenzten, empirisch prüfbaren Forschungsfragen beruhen
- quantitative Analysen auf Basis der Alterssurvey-Daten vorsehen
- im Umfang so angelegt sein, dass innerhalb des Workshops ein kohärentes Preprint-Manuskript (8-12 Seiten) erstellt werden kann
Die Auswahl der Teilnehmenden erfolgt auf Grundlage von:
- thematischer Passung zum Workshopfokus
- Qualität und Realisierbarkeit des Analyseplans
- methodischen Kompetenzen
- Erfahrung mit quantitativen Datensätzen
Der Schweizerische Alterssurvey ist eine repräsentative, schweizweite Studie von ca. 4500 Personen über 55, die im Jahr 2022 im Auftrag von Pro Senectute von der ZHAW und der Universität Genf erstmals zur Analyse der Lebenslagen, Ressourcen und Herausforderungen älterer Menschen in der Schweiz durchgeführt wurde. Er ermöglicht differenzierte Einblicke in soziale, ökonomische, gesundheitliche und gesellschaftliche Aspekte des Alter(n)s und bildet damit eine wichtige Basis für Forschung, Praxis und alterspolitische Diskussionen.
Pro Senectute Schweiz erhob diese Daten gezielt, um fundierte Grundlagen für die Fachwelt, politische Entscheidungsträgerinnen und -träger sowie weitere Akteure im Altersbereich aufzubereiten. In Zusammenarbeit mit der ZHAW und der Universität Genf wurden bislang erste Berichte zu folgenden Themen veröffentlicht: Altersarmut, Nichtbezug von Ergänzungsleistungen, Bezug von Betreuungs- und Pflegeleistungen sowie Freizeitaktivitäten und kognitive Gesundheit (www.prosenectute.ch/studien).
Die bisherigen Auswertungen richteten sich hauptsächlich an die Akteure und Organisationen der Alterspolitik der Schweiz. Wissenschaftliche Auswertungen wurden bisher nicht publiziert. Um diese Lücke zu adressieren, lanciert Pro Senectute Schweiz einen Auswertungsworkshop, der sich hauptsächlich an Forschende von Universitäten und Hochschulen richtet. Der Workshop knüpft an die bisherige Vorarbeit von Pro Senectute Schweiz an und versteht sich als Impuls, das wissenschaftliche Potenzial des Schweizerischen Alterssurvey voll auszuschöpfen und neue Perspektiven auf das Alter(n) in der Schweiz zu eröffnen.