Studienausschreibung zum Thema Herkunftsvielfalt im Alter 55+

Die Schweizer Bevölkerung wird zunehmend vielfältiger. Ein Teil dieser Entwicklung lässt sich an der Zahl der ausländischen Staatsangehörigen ablesen: In der Schweiz lebten letztes Jahr 215’994 ausländische Staatsangehörige im Alter von über 65 Jahren. Die zu realisierende Studie soll eine belastbare und praxisnahe Wissensgrundlage zur Situation der Menschen ab 55 Jahren mit Migrationshintergrund der ersten Generation in der Schweiz bieten.

Über den Studien-Inhalt

Die Schweizer Bevölkerung wird zunehmend vielfältiger und diese Vielfalt zeigt sich immer stärker auch im höheren Lebensalter. Ein Teil dieser Entwicklung lässt sich an der Zahl der ausländischen Staatsangehörigen im Rentenalter ablesen: In der Schweiz lebten im Jahr 2025 215’994 ausländische Staatsangehörige im Alter von 65 Jahren und älter mit ständigem Wohnsitz, dies entspricht rund 15 % der ständigen Wohnbevölkerung ab 65 Jahren. Die ständige ausländische Wohnbevölkerung umfasste im Jahr 2025 laut Staatssekretariat für Migration insgesamt 2’414’408 Personen. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass die Gruppe der älteren Menschen mit Migrationserfahrung über die nächsten Jahrzehnte weiter an Bedeutung gewinnt und sehr heterogen ist (z.B. Herkunft, Aufenthaltsdauer, Rechtsstatus, Bildungs- und Erwerbsbiografie sowie transnationale Lebensbezüge, Vorsorgesituation). 

Für die vorliegende Ausschreibung steht die Bevölkerung mit Migrationshintergrund der ersten Generation im Zentrum. In Anlehnung an die Definition des Migrationshintergrunds umfasst dies, unabhängig von der Staatsangehörigkeit, Personen mit im Ausland geborenen Eltern, die selbst zugewandert sind. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass in der statistischen Praxis häufig weiterhin nach Staatsangehörigkeit unterschieden wird und dadurch insbesondere Eingebürgerte nach Datenquelle weniger sichtbar sein können. 

Forschung und Praxis weisen darauf hin, dass ältere Menschen mit Migrationserfahrung im Alter teilweise mehrfachen Belastungen ausgesetzt sind, auf ökonomischer, gesellschaftlicher und migrationsspezifischer Ebene, und dass diese Belastungen im Alter nachwirken können. Zudem werden in der Diskussion wiederholt Zugangsbarrieren zu Information, Beratung, Gesundheitsversorgung sowie Unterstützungs- und Pflegeleistungen thematisiert (u.a. sprachliche und administrative Hürden, fehlende Passung von Angeboten, Unsicherheit rund um Rechte/Ansprüche). 

Obwohl die Thematik seit Jahren bearbeitet wird, besteht weiterhin Bedarf an aktuellen, systematisch aufbereiteten Grundlagen und an Erkenntnissen, die für Politik, Verwaltung, Fachorganisationen und die Angebotsentwicklung unmittelbar nutzbar sind. Gleichzeitig zeigen bestehende Grundlagen auch konzeptionelle und statistische Herausforderungen, insbesondere bei der Abgrenzung der Zielgruppe sowie bei der Sichtbarkeit einzelner Teilgruppen.

Vor diesem Hintergrund beabsichtigt Pro Senectute Schweiz, eine Studie in Auftrag zu geben, die eine belastbare und praxisnahe Wissensgrundlage zur Situation der Menschen ab 55 Jahren mit Migrationshintergrund der ersten Generation (mit und ohne Schweizer Staatsbürgerschaft) in der Schweiz bietet.

Die Ergebnisse sollen Pro Senectute Schweiz ermöglichen, bestehende Lücken zu schliessen, Handlungsbedarf zu erkennen, Angebote zielgerichtet weiterzuentwickeln und die alterspolitische sowie fachliche Diskussion evidenzbasiert zu unterstützen. Die Studie soll dabei nicht nur Herausforderungen und Barrieren aufzeigen, sondern auch Ressourcen, Erfolgsfaktoren und Handlungsmöglichkeiten benennen.

Im Einzelnen soll die Studie insbesondere:

  1. den bestehenden Wissensstand aus nationalen und internationalen Studien der letzten zehn Jahre systematisch aufarbeiten, zentrale Erkenntnisse und Forschungslücken identifizieren und daraus Schlussfolgerungen für die Situation älterer Menschen mit Migrationshintergrund der ersten Generation (in der Schweiz) ableiten.
  2. Zielgruppen, Begriffe und Abgrenzungen klären (z.B. „Altern in der Migration“ vs. „Migrieren im Alter“) und daraus eine nachvollziehbare Operationalisierung für die Analyse ableiten. 
  3. Lebenslagen, Ressourcen und Belastungsfaktoren älterer Menschen mit Migrationshintergrund (erste Generation) beschreiben, mit Fokus auf finanzielle Situation, Gesundheit, soziale Teilhabe/Zugehörigkeit und Versorgungssituation.
  4. untersuchen, ob und inwiefern sich Bedürfnisse, Informationswege, Unterstützungsformen und Zugangsvoraussetzungen älterer Menschen mit Migrationshintergrund der ersten Generation von jenen älterer Menschen ohne Migrationshintergrund unterscheiden.
  5. Barrieren und Gelingensbedingungen beim Zugang zu Information, Beratung sowie Unterstützungs- und Pflegeleistungen identifizieren und aufzeigen, wo heutige Regelstrukturen und Angebote gut greifen bzw. wo Lücken bestehen. Insbesondere klären, ob und wie Pro Senectute ältere Menschen mit Migrationshintergrund der ersten Generation heute erreicht und wo Zugangs-, Kommunikations- oder Vertrauensbarrieren bestehen.
  6. besonders vulnerable Teilgruppen und Risikokonstellationen herausarbeiten (z.B. im Zusammenspiel von Rechtsstatus, Armut/Prekarität, Sprachbarrieren, Gesundheit, Isolation) und den daraus folgenden Handlungsbedarf konkretisieren. 
  7. Handlungsempfehlungen formulieren, die für Pro Senectute Schweiz sowie Partnerorganisationen auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene unmittelbar nutzbar sind (z.B. für Angebotsgestaltung, Kommunikation, Sensibilisierung, Vernetzung, Interessenvertretung). Insbesondere der Umgang mit möglichen Sprachbarrieren und die Einbindung schwer erreichbarer bzw. besonders vulnerabler Personengruppen sollen dabei im Fokus stehen.

Die Auftraggeberin erwartet, dass die Studie wissenschaftlich fundiert, gleichzeitig aber klar adressatengerecht aufbereitet ist und konkrete Umsetzungsperspektiven bietet. 

Lebenslagen, Ressourcen und Belastungen

  • Welches sind die Bedürfnisse der älteren Bevölkerung mit Migrationshintergrund der ersten Generation in Bezug auf die wirtschaftliche Situation, Gesundheit, soziale Teilhabe und Versorgung?
  • Wie sieht die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben (aktuelle Situation) aus und wie beurteilen sie ihre zukünftigen Perspektiven?
  • Über welche individuellen, familiären, gemeinschaftlichen und institutionellen Ressourcen verfügen ältere Menschen mit Migrationshintergrund der ersten Generation, und wie tragen diese zu einem finanziell unabhängigen, selbstbestimmten und selbständigen Leben im Alter bei?

Risikofaktoren und vulnerable Gruppen

  • Welche individuellen, sozialen und strukturellen Risikofaktoren wirken sich auf die finanzielle Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und gesundheitliche Situation älterer Menschen mit Migrationshintergrund der ersten Generation aus? Die Analyse soll sich an der von Pro Senectute verwendeten Definition von Vulnerabilität orientieren, wonach Vulnerabilität als Kumulation von Defiziten in ökonomischem, kulturellem, sozialem und körperlichem Kapital verstanden wird. Zu prüfen ist auch wie diese Faktoren zusammenwirken.
  • Gibt es Bevölkerungsgruppen in Bezug auf Herkunft, Aufenthaltsdauer / -status oder Migrationsgrund, welche besonders gefährdet sind, und falls ja, welche? Dabei sollen Herkunft oder Migrationsstatus nicht als Vulnerabilitätsmerkmale an sich verstanden werden, sondern als mögliche Kontextfaktoren, die mit ökonomischen, kulturellen, sozialen oder gesundheitlichen Risiken  zusammenwirken können.

Zugang zu Information, Beratung und Unterstützung

  • Von welchen formellen und informellen Unterstützungsangeboten machen ältere Menschen mit Migrationshintergrund der ersten Generation Gebrauch?
  • Welche Barrieren bestehen für ältere Menschen mit Migrationshintergrund der ersten Generation beim Zugang zu Informationen, Beratung, Gesundheitsversorgung sowie Unterstützungs-, Pflege- und Betreuungsleistungen?

Soziale Einbindung und Perspektiven

  • Wie werden der soziale Zusammenhalt (im eigenen Umfeld und in der Schweizer Bevölkerung allgemein), die Zugehörigkeit und die eigene Integration wahrgenommen?
  • Wie sind die sozialen Netzwerke älterer Menschen mit Migrationshintergrund ausgestaltet, und welche Bedeutung haben diese für Unterstützung, Teilhabe und Versorgung?
  • Welche Pläne bestehen für die Zeit nach der Pensionierung in Bezug auf den Verbleib in der Schweiz oder eine allfällige Rückkehr ins Herkunftsland, und welche Gründe bzw. Rahmenbedingungen sind dabei relevant?

Bedeutung für die Praxis

  • Wie können ältere Menschen mit Migrationshintergrund mit bestehenden oder zukünftigen Angeboten wirksamer erreicht werden, und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Angebotsentwicklung von Pro Senectute?
  • Welche Schlussfolgerungen ergeben sich aus den Ergebnissen für die Kommunikation, Sensibilisierung und Vernetzung von Pro Senectute Schweiz?


Studien-Projekt

Die Studie soll aus einem quantitativen und einem qualitativen Modul bestehen. Die Anbietenden sind eingeladen, ein methodisch überzeugendes Gesamtdesign vorzuschlagen, das geeignet ist, die Fragestellungen angemessen zu beantworten. Der methodische Zugang kann beispielsweise Literatur- und Dokumentenanalysen, Sekundärdatenanalysen, standardisierte Erhebungen sowie qualitative Interviews, Fokusgruppen oder andere geeignete qualitative Zugänge umfassen. Die methodische Ausgestaltung ist zu begründen.

Besonderes Gewicht wird auf die Erreichbarkeit und angemessene Berücksichtigung schwer erreichbarer und besonders vulnerabler Gruppen gelegt. Die Offerte muss deshalb darlegen, wie sprachliche Barrieren berücksichtigt werden, wie unterschiedliche Teilgruppen erreicht werden können und wie die Perspektiven der Zielgruppe systematisch in die Studie einbezogen werden.

  • Fertig gelayoutete wissenschaftliche Studie inkl. Management Summary auf Deutsch oder Französisch
  • Grafiken und Abbildungen als separate Grafikdateien
  • Konkrete Handlungsempfehlungen für Pro Senectute Schweiz und die kantonalen Pro Senectute Organisationen (Optional: Konkrete Vorschläge für auf Zielgruppe(n) zugeschnittene Angebote)
  • Nach Absprache Präsentation der zentralen Ergebnisse im Rahmen von Veranstaltungen von Pro Senectute für Fachpersonen aus der Altersarbeit und/oder politische EntscheidungsträgerInnen
  • Optional können Anbietende weitere Transferprodukte vorschlagen, sofern diese einen erkennbaren Mehrwert bieten
Aufgabe Frist
Eingabefrist für die Offerte 15. September 2026
Entscheid Vergabe Ende September 2026
Projektbeginn Ab Auftragserteilung, spätestens Ende Oktober 2026
Vorlage Detailkonzept 1 Monat nach Projektbeginn, Ende November 2026
Erhebungs- und Analysephase Februar bis Mai 2027
Entwurf Schlussbericht Juli 2027
Schlussbericht und Dokumentation September 2027
Präsentation der Ergebnisse Oktober 2027

Das Kostendach für die Arbeiten liegt bei maximal CHF 250'000 (inkl. MwSt. und Spesen).

Die Übersetzung der Studie sowie der weiteren Auftragsprodukte erfolgt durch Pro Senectute Schweiz. Alle weiteren Übersetzungsleistungen sind vom Forschungsteam zu erbringen.


Offerte und Bewertungskriterien

Bitte reichen Sie Ihre Offerte in deutscher oder französischer Sprache elektronisch bis spätestens am 15. September 2026 ein an .

Die Offerte ist in deutscher oder französischer Sprache einzureichen und auf maximal zehn Seiten (ohne Anhänge und Literaturverzeichnis) zu beschränken. Sie muss mindestens folgende Elemente beinhalten:

  • Verständnis der Aufgabenstellung
  • Vorgeschlagenes Forschungsdesign und methodisches Vorgehen
  • Darstellung des quantitativen und qualitativen Moduls
  • Konzept zur Erreichbarkeit und Berücksichtigung sprachlich oder sozial schwer erreichbarer Gruppen
  • Konzept zum Einbezug der Zielgruppe, insbesondere bei der Entwicklung der Erhebungsinstrumente und der Einordnung der Ergebnisse
  • Projektorganisation, Zuständigkeiten und Zusammensetzung des Projektteams
  • Angaben zu Erfahrung, Kompetenzen und Referenzen des Projektteams in vergleichbaren Themenfeldern und Forschungsmethoden
  • Zeitplan
  • Budget, einschliesslich Aufwand pro Funktion bzw. Person sowie Stunden- oder Tagesansätze für die einzelnen Projektschritte bzw. -module

Die Offerten werden beurteilt nach:

  • Auftragsverständnis und Qualität des vorgeschlagenen Vorgehens
  • Wissenschaftliche Qualität, Nachvollziehbarkeit und Angemessenheit des Untersuchungskonzepts 
  • Eignung des methodischen Designs zur Beantwortung der Fragestellungen 
  • Qualität des Konzepts zur Erreichung und Einbeziehung vulnerabler Zielgruppen 
  • Erfahrung des Projektteams mit vergleichbaren Themen und Forschungsmethoden 
  • Praxisbezug und Nutzbarkeit der vorgeschlagenen Ergebnisse 
  • Wirtschaftlichkeit des Angebots
     

Kontakt

Ihre Kontaktpersonen von Pro Senectute Schweiz für Auskünfte und Rückfragen zum Ausschreibungsprozess oder zur Aufgabenstellung: