Ein neues Kapitel im Generationendialog
Auf spielerische Weise fördern Seniorinnen und Senioren in Appenzell Ausserrhoden Primarschulkinder beim Lesen. Das generationenverbindende Projekt Lesementoring Herisau leistet einen wirkungsvollen Beitrag zu mehr sozialer Teilhabe.
Lesementorin Irma Kohler lässt sich eine spannende Geschichte vorlesen.
2025 wurde in Appenzell Ausserrhoden fleissig gelesen. Im Rahmen des Lesementoring Herisau tauchten Primarschulkinder und ältere Menschen gemeinsam in Geschichten ein. Initiiert wurde das Projekt von Christine Knaus. Die erfahrene Pädagogin gründete mit Vertretenden von Pro Senectute Appenzell Ausserrhoden, der Gemeinde Herisau, der Schule, der Bibliothek sowie dem Netzwerk Alter des Seniorenverbands einen Verein. Grundlage bildete das Konzept des Vereins AkzentaNova, der das Projekt fachlich begleitete. «Kinder sollen durch regelmässige, spielerische und bewusst nicht schulische Begegnungen Freude am Lesen entwickeln», begründet Knaus das Ziel des Lesementorings.
Bücher verbinden Jung und Alt
Die enge Zusammenarbeit mit Sabrina Steiger, Geschäftsleiterin von Pro Senectute Appenzell Ausserrhoden, erwies sich für Knaus als Erfolgsfaktor. Im Kontext der Gemeinwesenarbeit übernahm Steiger administrative Aufgaben und unterstützte dabei, 25 motivierte Lesementorinnen und -mentoren zu gewinnen. «Ältere Menschen, die allein sind oder keinen Kontakt zu jüngeren Menschen haben, können wir durch das Lesementoring vernetzen und in eine Gemeinschaft integrieren», sagt Steiger.
Lesementoring wirkt auf beiden Seiten
In der ersten Durchführung im Schuljahr 2024/2025 nahmen rund 30 Kinder aus der ersten bis dritten Klasse teil. Die meisten Kinder bringen vielfältige sprachliche und kulturelle Hintergründe mit. Sie trafen sich einmal pro Woche mit ihrer zugeteilten Mentorin oder ihrem zugeteilten Mentor. Dadurch entstanden vertrauensvolle Bindungen. «Ich möchte in den Kindern die Freude am Lesen und die Neugier wecken. Es macht mir Spass, ihre Fortschritte zu beobachten», sagt Lesementorin Irma Kohler.
Für Steiger zeigt das Projekt exemplarisch, wie Partizipation gelingen kann: «Die Seniorinnen und Senioren spüren, dass ihr wertvolles Engagement wirkt und sie gebraucht werden. Sie erleben, wie das Vertrauen der Kinder in ihre Fähigkeiten wächst.» Die Mentorinnen und Mentoren schätzen auch den Kontakt untereinander. Sie sind sehr engagiert und tauschen sich regelmässig aus – sei es virtuell oder an Treffen vor Ort. «In der Gruppe sind sogar Freundschaften entstanden», freut sich Steiger. Ebenso erfreulich: Ab dem Schuljahr 2025/2026 profitieren auch Viertklässlerinnen und -klässler vom Lesementoring.
Jahresrückblick: Fachbereich GWA Pro Senectute Schweiz
Im Jahr 2025 leisteten unsere Fachpersonen insgesamt 30'000 Stunden Gemeinwesenarbeit.
Die Pro Senectute Organisationen erstellten gemeinsam mit Gemeinden zehn kommunale Altersleitbilder. In weiteren Projekten unterstützten sie Gemeinden bei der Erarbeitung von Altersstrategien. Seniorinnen und Senioren wirkten dabei aktiv am Prozess mit.
Sechs Brainstorming-Workshops förderten an der GWA-Plattform 2025 einen intensiven Austausch. In Kleingruppen diskutierten die Teilnehmenden Praxisbeispiele sowie Themen wie Altersbilder, gemeinnütziges Engagement und gesellschaftliche Teilhabe im hohen Alter.
22 Teilnehmende nahmen 2025 an der Weiterbildung «Einführung in die Gemeinwesenarbeit» in Olten teil. Während einer Stadtbegehung nahmen sie unterschiedliche Rollen ein und erkundeten den öffentlichen Raum aus der Perspektive (hoch)betagter Menschen.