Patientenverfügung? Sì, certo!
2025 erreichte Pro Senectute Aargau gezielt italienischsprachige Seniorinnen und Senioren. Neun Veranstaltungen zur persönlichen Vorsorge trugen dazu bei, sprachliche Barrieren abzubauen und die Selbstbestimmung der Teilnehmenden zu fördern.
Einfach und verständlich: Antonietta Scottino erklärt auf Italienisch, was die Patientenverfügung ist und warum dieses Dokument wichtig ist.
Im Kanton Aargau sind viele Italienerinnen und Italiener zu Hause, unter ihnen zunehmend Menschen im Pensionsalter. Aufgrund sprachlicher Barrieren hatten sie die Angebote von Pro Senectute Aargau bislang nur zum Teil in Anspruch genommen. Vor diesem Hintergrund suchte Pro Senectute Aargau den Austausch mit dem Verein ACLI («Associazioni Cristiane Lavoratori Italiani») und dem Verein CEA («Comitato Emigrazione Argovia»), zwei Begegnungs- und Anlaufstellen für die italienische Gemeinschaft in der Schweiz. Daraus entstand eine Projektgruppe, die 2025 ein klares Ziel verfolgte: Italienischsprachige ältere Menschen sollen ihre Rechte besser kennen, um selbstbestimmt bis zum Schluss über ihr Leben entscheiden zu können.
Eine Brücke zwischen den Kulturen
2025 organisierte die Projektgruppe im Kanton Aargau neun Veranstaltungen zum Thema persönliche Vorsorge: fünf zur Patientenverfügung und vier zum Vorsorgeauftrag. Insgesamt nahmen über 250 Personen an den Veranstaltungen teil. Eine Schlüsselfigur im Projekt war die Referentin Antonietta Scottino. «Sie ist in Italien aufgewachsen und verfügt über kulturelle Nähe sowie gute Kontakte zu italienischen Vereinen», sagt Ruth Treyer, Bereichsleiterin Soziales und Projektverantwortliche von Pro Senectute Aargau. Antonietta Scottino, Übersetzerin bei Pro Senectute Schweiz, vermittelte das komplexe Thema auf Italienisch in einfacher Sprache. «Die Inklusion älterer Menschen mit Migrationshintergrund liegt mir sehr am Herzen», betont sie.
Zugang finden, Vertrauen aufbauen
Der persönliche Austausch vor Ort stiess anregende Diskussionen an, die von grossem Vertrauen der Teilnehmenden zeugten: «Die teils sehr persönlichen Wortmeldungen führten zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der persönlichen Vorsorge und zu einem spürbaren Lerngewinn», meint Treyer. Die Seniorinnen und Senioren können sich nun auf den Ernstfall vorbereiten und Entscheidungen für den Fall der Urteilsunfähigkeit gezielter fällen.
«Es hat sich gezeigt, dass viele Menschen mit italienischen Wurzeln ihren Vereinen vertrauen. Diese können für Pro Senectute ein Zugang sein, um diese Menschen besser für Beratungen zu erreichen», sagt Treyer. Im Kanton Aargau ist man offen für weitere Veranstaltungen auf Italienisch – auch zu anderen wichtigen Altersthemen.
Spezialisierung in komplexen Gebieten
Simon Gerber, Bereichsleiter Sozialberatung und Mitglied der Geschäftsleitung von Pro Senectute Kanton Luzern, sah hingegen auch eine Stärke in der Spezialisierung der Sozialberatung: Gerade bei juristischen Fragen rund um die persönliche Vorsorge müssten überregionale Pools von juristisch spezialisierten Fachpersonen ins Auge gefasst werden. Zum Schluss der Plattform unterstrich Marina Hörmann von der Fachhochschule Nordwestschweiz, dass der generalistische Ansatz für Pro Senectute auch in Zukunft zentral bleiben müsse, um dem Anspruch als Fachstelle für alle Altersfragen gerecht werden zu können. Aber auch die Beratung im digitalen Raum dürfe nicht vergessen werden.
Jahresrückblick: Fachbereich Beratung Pro Senectute Schweiz
Pro Senectute erbrachte 2025 insgesamt 275'700 Beratungsstunden.
Pro Senectute hat schweizweit rund 80'400 Personen beraten.
Das Beratungsklientel bestand im Jahr 2025 überwiegend aus Frauen: Gut drei von fünf Personen sind weiblich.
Auffällig ist, dass knapp die Hälfte der Klientinnen und Klienten allein lebt. Ein geringerer Anteil lebt mit anderen Personen im Haushalt oder in einem Altersheim.
Knapp zwei Drittel meldeten sich selbst bei uns für eine Beratung. Etwas mehr als ein Drittel gelangte über Bezugspersonen oder das formelle Netz wie die Spitex oder die Ärzteschaft zu uns.