Betreuung und Pflege von Angehörigen

Betreuende Angehörige leisten tagtäglich Grosses. Worauf Sie bei der Betreuung zu Hause besonders achten sollten, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Angehörige zuhause pflegen

Wenn ein Angehöriger betreuungs- oder pflegebedürftig wird, stehen plötzlich viele neue Fragen im Raum:

  • Möchte und kann ich die Betreuung des Angehörigen selber übernehmen? Welche anderen Möglichkeiten gibt es?
  • Wer unterstützt mich in meiner Betreuungsfunktion, wo finde ich Entlastung?
  • Was verändert sich für mich? Muss ich mein Leben komplett umkrempeln?
  • Kann ich dennoch weiterarbeiten? Und wenn nicht, was sind die Folgen?
  • Wie beeinflusst die neue Aufgabe mein Privatleben, meine Familie?
  • Wer kommt für die anfallenden Kosten auf?

Eins vorweg: Es ist nicht selbstverständlich, dass Sie Ihre Angehörigen betreuen. Sie sind nicht dazu verpflichtet, die Betreuung selber zu übernehmen. Setzen Sie sich mit der neuen Situation auseinander. Besprechen Sie gemeinsam mit Ihrer Familie, ob Sie sich der Aufgabe gewachsen fühlen und wie Sie die Arbeit aufteilen möchten. Ein Gespräch mit einer Fachperson, zum Beispiel mit Ihrer Hausärztin oder mit einem Sozialberater, hilft Ihnen, die Situation realistisch einzuschätzen.

Eine bewusste Entscheidung ist sehr wichtig und hilft allen Beteiligten, sich in der neuen Situation besser wiederzufinden.

Worauf muss ich bei der Betreuung zu Hause achten?

Planen Sie die Betreuung und Pflege zu Hause sorgfältig

Die Betreuung von Angehörigen ist häufig schwer planbar und bringt langfristige Veränderungen mit sich. Ein Gespräch mit einer Fachperson oder Freunden in ähnlichen Situationen hilft Ihnen, die Belastung realistisch einzuschätzen.

Sie möchten Ihre Kinder nicht mit Betreuungsaufgaben belasten. Sie sind überzeugt, dass Sie das alles alleine schaffen.

Ihre Kräfte sind nicht unerschöpflich: Beziehen Sie Ihr Umfeld in die Pflegeplanung mit ein. Besprechen Sie gemeinsam, wer bereit ist, welche Aufgaben zu übernehmen. Kann die Nachbarin den Wocheneinkauf übernehmen? Übernimmt der Bruder die Betreuung während der Ferien?

Erstellen Sie einen Zeitplan, in dem jeder seine Kapazitäten zu Papier bringen kann. So können Sie besser planen und sich auch kurzfristig auf Unterstützung verlassen.

Zu Beginn sind Sie gut mit der Pflege zurechtgekommen. Inzwischen sind Sie aber öfters gereizt und müde. Die ständige Verantwortung bereitet Ihnen immer mehr Mühe.

Planen Sie von Anfang an regelmässige Situationsbeurteilungen, in denen Sie sich fragen:

  • Stimmt die Situation noch für mich? Wie geht es mir dabei?
  • Hat sich der Gesundheitszustand des Gepflegten verändert? Brauche ich zusätzliche Unterstützung und Entlastung?

Denken Sie daran: Sie sind nicht verpflichtet, die Betreuung selber zu übernehmen. Sprechen Sie mit Ihrer Familie oder einer Fachperson über Ihre Belastung und Ihre Bedürfnisse. Suchen Sie gemeinsam eine gute Lösung: Holen Sie sich mehr professionelle Unterstützung oder teilen Sie die Aufgaben neu auf.

Wie das mit dem Duschen des zu Pflegenden funktioniert, mussten Sie zuerst selbst herausfinden. Es wäre leichter gewesen, wenn Ihnen jemand geholfen hätte.

Die Betreuung und Pflege eines Menschen hat ihre Tücken. Schliesslich sind Sie kein Profi. Lassen Sie sich beraten, besuchen Sie Vorträge oder Kurse zum Thema Betreuen und Pflegen zu Hause.

Was tun, wenn Ihre Mutter in der Nacht aus dem Bett fällt und nicht mehr alleine aufstehen kann?

Hilfsmittel bieten unterstützenden Angehörigen eine grosse Entlastung und vermitteln Sicherheit. Einige Hilfsmittel wie ein Treppenlift oder ein Duschstuhl entlasten Sie körperlich. Andere, wie beispielsweise Notrufsysteme, lassen Sie ruhiger schlafen.

Holen Sie sich bei Ihrem Hausarzt, bei Pro Senectute oder in einem Fachgeschäft Informationen zu möglichen Hilfsmitteln. Es lohnt sich.

Eigentlich kann sich Anna die Strümpfe ja noch selber anziehen. Aber das dauert … kein Wunder, verlieren Sie manchmal die Geduld und übernehmen das.

Lassen Sie der betreuten Person ihre Selbständigkeit, auch wenn dies manchmal etwas Geduld und Nerven braucht. Die Selbständigkeit stärkt das Selbstwertgefühl des Gepflegten.

Glücklich dank Entlastung

«Lange habe ich meine demenzkranke Frau rund um die Uhr betreut. Irgendwann merkte ich, dass es mir zu viel wird. Das war schwierig, denn ich will ja für sie da sein. Mit dem Entlastungsdienst geht es uns beiden besser. Ich habe genug Zeit für mich und meine Frau ist jederzeit gut betreut.»

Gehen Sie bewusst mit Ihrer eigenen Belastung um

Die ständige Verantwortung und Sorge um Ihre Lieben strengt an. Viele unterstützende  Angehörige stellen ihre eigenen Bedürfnisse zurück, um jederzeit für den Betreuten da zu sein.

Vergessen Sie aber nicht, dass Sie psychisch und körperlich grossen Belastungen ausgesetzt sind. Umso wichtiger ist es, die eigenen Wünsche nicht aus den Augen zu verlieren.

Scheuen Sie sich nicht, diese mit einer Vertrauensperson zu besprechen. Ein offener Umgang mit Ihren Belastungen kommt letztendlich allen Beteiligten zugute. 

Als Sie noch ein Kind waren, hat sich Ihre Mutter immer um alles gekümmert. Und auch später war sie für Sie da. Heute ist Ihre Mutter auf Sie angewiesen. 

Dieser Rollentausch ist für beide nicht einfach. Sprechen Sie miteinander über die neue Situation und über Ihre Gefühle. Dank einem offenen Austausch verstehen Sie frustrierte Reaktionen, ungewöhnliche Verhaltensweisen oder neue  Eigenheiten bei sich und Ihrem Gegenüber besser. Das erleichtert den Umgang miteinander.

Sie unterhalten sich kaum noch richtig miteinander. All die Aufgaben nehmen Sie viel zu sehr in Anspruch.

Auch wenn Sie eine neue Rolle eingenommen haben – vergessen Sie vor lauter Betreuung und Pflege nicht, wer Ihr Gegenüber ist. Nehmen Sie sich Zeit für schöne Momente. Lesen Sie z. B. gemeinsam ein Buch, diskutieren Sie das aktuelle Weltgeschehen oder beobachten Sie die Vögel im Garten.

Die Gespräche in der Angehörigengruppe sind Ihnen eine grosse Stütze. Es tut gut, sich auch mal um die eigenen Gefühle zu kümmern.

In Angehörigengruppen oder beim Gespräch mit einer Vertrauensperson steht Ihr Wohlbefinden im Zentrum. Sprechen Sie über Ihren Frust und Ihre Freuden im Alltag. Tauschen Sie Ihre Erfahrungen mit anderen unterstützenden Angehörigen aus und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen.

Ein Tapetenwechsel bewirkt manchmal Wunder. Deswegen freuen Sie sich auf die Chorprobe am Mittwochabend und auf den gemeinsamen Beizenbesuch danach.  

Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Hobbies und Interessen. Treffen Sie sich mit Freunden, malen Sie ein Bild oder gehen Sie ins Kino. Hauptsache, Sie geniessen Ihre Freizeit. Die Betreuung Ihres Angehörigen übergeben Sie für diese Zeit guten Gewissens einem Freund, einem Familienmitglied oder einer professionellen Entlastungshilfe.

Gönnen Sie sich auch regelmässig Ferien. Organisieren Sie für diese Zeit eine Vertretung für die Pflege zu Hause oder buchen Sie einen Ferienplatz im Pflegeheim. Dank einer genauen Beschreibung des Pflege-Ablaufs wird die Betreuung auch in Ihrer Abwesenheit problemlos funktionieren.

Die Doppelbelastung von Betreuung und Beruf wächst Ihnen langsam über den Kopf. Sie denken: Das muss sich doch vereinbaren lassen – andere schaffen es schliesslich auch.

Hilfe anzunehmen, ist keine Schande. Oft werden die Anzeichen von Überbelastung zu spät erkannt. So kann zum Beispiel die Sorge um einen kranken Menschen zu Ängsten führen, die Sie nicht mehr loslassen. Auch Aggression ist ein Zeichen für starke seelische Beanspruchung – zum Beispiel, wenn Sie ständig gereizt sind oder schneller schimpfen als sonst. Gesundheitliche Belastungen äussern sich aber auch anders, beispielsweise durch Schmerzen oder Schlafstörungen.

Sollten Sie eine solche Belastung spüren, holen Sie sich Hilfe von aussen und lassen Sie sich beraten.

Klären Sie finanzielle und rechtliche Fragen der Betreuung zeitig

Setzen Sie sich mit den finanziellen und rechtlichen Aspekten der Betreuung oder Pflege zu Hause auseinander. Dies mag umständlich erscheinen, sichert Sie aber für die Zukunft ab.

Folgende Mittel stehen Ihnen zur Verfügung:

Klären Sie frühzeitig ab, welche Leistungen bei der Versicherung des Gepflegten gedeckt sind. Am besten lassen Sie sich dazu direkt bei der entsprechenden Krankenkasse beraten.

Die Hilflosenentschädigung entlastet Menschen, die bei alltäglichen Dingen wie beim Anziehen oder bei der Körperpflege Betreuung benötigen. Auch dauerhaft Pflegebedürftige haben Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Folgende Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein:

  • Bestätigung der Hilflosigkeit durch den Hausarzt
  • Die Hilflosigkeit besteht seit mindestens einem Jahr und dauert weiter an
  • Eingereichte Anmeldung für eine Hilflosenentschädigung bei der Ausgleichskasse

Die Anmeldung für die Hilflosenentschädigung finden Sie hier.

Als pflegender Angehöriger haben Sie bei der Berechnung Ihrer Rente unter Umständen Anspruch auf AHV-Betreuungsgutschriften. Damit sind Sie während der Pflege von Familienangehörigen gegenüber Einbussen bei den Sozialversicherungen abgesichert.

Folgende Voraussetzungen müssen Sie dazu erfüllen:

  • Sie sind noch im erwerbsfähigen Alter und betreuen nahe Verwandte
  • Sie verbringen den Grossteil Ihrer Zeit im gemeinsamen Haushalt mit der pflegebedürftigen Person
  • Die betreute Person bezieht eine Hilflosenentschädigung mittleren oder schweren Grades
  • Sie melden Ihren Anspruch auf Betreuungsgutschriften jedes Jahr bei der Ausgleichskasse an

Im Pflegevertrag klären Sie rechtliche Fragen. Dies ist auch innerhalb der Familie wichtig. Der Pflegevertrag regelt:

  • die Pflegeansprüche
  • den Umfang der Betreuung
  • die Grenzen Ihrer Verantwortung als pflegende Angehörige
  • Ihre Entschädigung

Mehr Informationen zum Betreuungs- und Pflegevertrag haben wir hier für Sie gesammelt:

Denken Sie voraus und treffen Sie alle wichtigen Vorkehrungen für den Notfall. DOCUPASS ist Ihr Dossier, mit dem Sie gut auf den Ernstfall vorbereitet sind. DOCUPASS hilft Ihnen, alles Nötige klar zu regeln. Die Unterlagen enthalten folgende Elemente:

  • Patientenverfügung
  • Vorsorgeauftrag
  • Anordnung für den Todesfall
  • Testament
  • Vorsorgeausweis

Detaillierte Informationen zu DOCUPASS finden Sie hier.

Unsere Sozialarbeitenden beantworten in einem persönlichen Beratungsgespräch gerne Ihre Fragen.

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