Auswirkungen der AV 2020

Pro Senectute beurteilt die Reform als positiv. Sie ist ein wichtiger Schritt zur Sicherung der heutigen und zukünftigen Renten. Wir zeigen Ihnen auf, was sich abhängig von Ihrem Alter und Ihrer Einkommenssituation ändert.

Was ändert für alle?

  • Männer und Frauen, die ab dem 1. Januar 2018 ins Pensionsalter kommen, werden ab Januar 2019 monatlich 70 Franken mehr AHV-Rente erhalten. Ehepaare profitieren – mit einem Zuschlag von maximal 226 Franken pro Monat.

  • Ab 2022 wird der Umwandlungssatz für alle Personen, die dann ins Rentenalter 65 kommen, 6% betragen. Mit diesem Prozentsatz wird die jährliche Pensionskassen-Altersrente im obligatorischen Teil (Löhne zwischen 21'500 und 84'600 Franken) berechnet. Ein Umwandlungssatz von 6% bedeutet, dass auf ein Vorsorgekapital von beispielsweise 100'000 Franken lebenslang eine Altersrente von 6'000 Franken jährlich gezahlt wird.
  • Alle Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz zahlen ab 2021 einen um +0,3% höheren Mehrwertsteuersatz (Normalsatz: + 0,3%, Güter des täglichen Bedarfs: +0,2%, Hotellerie: +0,1%).

Was ändert für Sie?

Juliette (75) und Yves Dubois (78) sind  seit 15 Jahren pensioniert. Yves Dubois hat bei den SBB gearbeitet, Juliette Dubois war Hausfrau und Mutter. Die Dubois erhalten eine Ehepaarrente der AHV sowie eine Pensionskassenrente der SBB.

Mit Reform:

  • Die Dubois sind weder von der Senkung des Umwandlungssatzes betroffen, noch von der Erhöhung des Rentenalters für Frauen. Das Ehepaar erhält keinen Zuschlag zur AHV-Rente.
  • Die Dubois werden ab 2021 einen höheren Mehrwertsteuersatz bezahlen. Der Satz wird beispielsweise für Lebensmittel, alkoholfreie Getränke, Bücher, Zeitungen, Zeitschriften und Medikamente neu 2.7% betragen. Die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer tragen zur Sicherung der bestehenden Renten bei.

Karl Hermann ist 75 Jahre alt und bezieht eine Altersrente mit Ergänzungsleistungen (EL). In der Zeitung liest er, dass der AHV-Zuschlag von 70 Franken zu einer Reduktion der EL führe.

 

Mit Reform:

  • Für Karl Hermann ändert sich nichts. Da er bei Inkrafttreten der Reform bereits im Rentenalter ist, erhält er keinen AHV-Zuschlag. Sein Anspruch auf Ergänzungsleistungen wird dadurch nicht berührt.

Die drei Müller-Schwestern stehen kurz vor der Pensionierung: Ruth Müller, geboren am 15. März 1954, ihre jüngere Schwester Anna, geboren am 3. Mai 1955, und die jüngste Schwester Liselotte, 1957 geboren.

 

Mit Reform:

  • Ruth Müller wird gemäss der Übergangsregelung ab 1. Juli 2018 Anspruch auf ihre AHV-Rente haben (Alter 64 Jahre plus 3 Monate). Bei ihrer Schwester Anna wird der Rentenanspruch ab dem 1. Dezember 2019 gültig (64 Jahre und 6 Monate). Liselotte, die Jüngste, wird gemäss dem neuen System, 2022 mit 65 Jahren  pensioniert.
  • Für alle drei Schwestern ist es dennoch möglich, sich vorzeitig pensionieren zu lassen. Ihre Rente wird zwar gekürzt, aber weniger stark als heute. Mit dem AHV-Zuschlag, der ab 1. Januar 2019  hinzu kommt, kann ein Teil der Kürzung ausgeglichen werden.

Die Brüder Brassel werden 2022 bzw. 2023 pensioniert. Roman ist Witwer, sein Bruder Theo verheiratet. Beide haben Anspruch auf eine Maximalrente der AHV.

 

Mit Reform:

  • Roman Brassel erhält mit Antritt der Pension einen monatlichen Zuschlag von 70 Franken auf seine AHV-Rente. Sein Bruder Theo erhält zusammen mit Schwägerin Rosa einen Zuschlag von 226 Franken pro Monat.
  • Der Zuschlag federt bei beiden die Senkung der Pensionskassenrenten durch den auf 6% reduzierten Umwandlungssatz ab.

Berta Häberlin, Verkäuferin, ein erwachsener Sohn, wird sich 2020 mit 65 Jahren pensionieren lassen. Frau Häberlin ist alleinerziehend und hat ihren Sohn ohne finanzielle Unterstützung aufgezogen. Sie hat bei mehreren Arbeitgebern Teilzeit und auf Abruf gearbeitet. Frau Häberlin wird mit 65 nur Anspruch auf eine AHV-Rente haben und Ergänzungsleistungen benötigen, da sie sonst nicht über die Runden kommt.

Mit Reform:

  • Frau Häberlin wird den AHV-Zuschlag (70 CHF monatlich) erhalten. Dieser wird bei der Berechnung ihrer EL-Rente als anrechenbares Einkommen berücksichtigt. Zwar wird sie 840 (12 x CHF 70) Franken mehr Rente bekommen, dafür aber weniger EL. Das Einkommen für die zukünftige Rentnerin ändert sich nicht.
  • Die Ergänzungsleistungen übernehmen nach wie vor ihre Kosten für die Prämien der Krankenkasse, den Selbstbehalt und die Gebühren der Billag.

Urs (67) und Lavinia Keller (66) sind beide pensioniert. Urs Keller war drei Jahre im Ausland und hat Beitragslücken in der AHV. Er betreut als ehemaliger Treuhänder vereinzelte Buchhaltungsmandate und erledigt gegen ein kleines Entgelt Steuererklärungen.

Mit Reform:

  • Herr Keller entrichtet auf den Einkünften aus seinem Nebenerwerb AHV-Beiträge. Er kann diese bis zum 70. Altersjahr an seine AHV-Rente anrechnen lassen und seine Beitragslücken füllen.

Max Huber ist Monteur und würde 2019 regulär pensioniert. Sein Arbeitgeber macht ihm das Angebot, noch drei Jahre weiter zu arbeiten. Huber nimmt das Angebot an und einigt sich mit dem Arbeitgeber darauf, mit einem Beschäftigungsgrad von 70% erwerbstätig zu sein. 

Mit Reform:

  • Damit die Einkommenseinbusse nicht zu gross ist, bezieht Max Huber 2022 30% seiner Altersrente der AHV und 30% seiner BVG-Rente. Die übrigen 70% schiebt er bis zum 68. Geburtstag auf. Zwar zahlt Herr Huber auf seinem ganzen Lohn AHV-Beiträge, damit kann er aber seine AHV-Rente erhöhen (bei der AHV bis zur Maximalrente von 2'350 Franken).

Maria und Paolo Laffranchi-Sargenti sind beide 62 Jahre alt. Sie ist Physiotherapeutin, er Verwaltungs-Angestellter in Bellinzona. Herr Laffranchi möchte sich aufgrund seines Asthmas frühpensionieren lassen. Seine Frau Maria kann sich aber vorstellen, nach der Pensionierung weiterzuarbeiten. Die beiden planen die Kombination eines Teilrentenvorbezugs und –aufschubs.

Mit Reform:

  • Herr Laffranchi kann drei statt zwei Jahre vor dem offiziellen Pensionsalter seine AHV beziehen. Seine Rente wird um 11.4% gekürzt. Frau Laffranchi-Sargenti beschliesst weiterzuarbeiten. Wenn sie ihre Pensionierung um zweieinhalb Jahre aufschiebt, erhält sie einen Aufschubszuschlag auf die AHV-Rente von 11.7%. Arbeitet sie drei Jahre über das Pensionierungsalter 65 hinaus, würde dieser 14.2% ausmachen.

Der Lagerist Stéphane Berger verliert wegen Umstrukturierungen mit 58 Jahren seine Stelle. Trotz unzähligen Bewerbungen gelingt ihm kein beruflicher Wiedereinstieg.

Mit Reform:

  • Herr Berger lässt sein PK-Guthaben in der Pensionskasse seines bisherigen Arbeitgebers stehen, Beiträge bezahlt er keine mehr. Spätestens bei Erreichen des Referenzalters 65 erhält er von der Pensionskasse eine Rente zu gleichen Bedingungen wie die übrigen Arbeitnehmer.

Manuel Isler,  gelernter Schreiner, ist auf Hochbauzeichner umgesattelt. Er arbeitet 100% in einem Architekturbüro.

 

 

Mit Reform:

  • Manuel Isler und sein Arbeitgeber werden ab 2021 mehr Lohnprozente für die AHV bezahlen (je+0,15% = total +0,3%). Damit finanzieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber den AHV-Zuschlag für Einzelpersonen (CHF 70) und Ehepaare (max. CHF 226).
  • Als Arbeitnehmer der Altersgruppe 35-54 bezahlt Herr Isler ein Lohnprozent mehr für die berufliche Vorsorge (10+1%, die Hälfte davon übernimmt sein Arbeitgeber). Die Erhöhung des Pensionskassen-Beitrags gleicht die Senkung des Umwandlungssatzes aus und verbessert seine BVG-Rente.
  • Manuel Isler wird mit 65 als Neurentner monatlich 70 Franken mehr AHV erhalten. Sollte er bei der Pensionierung verheiratet und seine Ehefrau ebenfalls altersrentenberechtigt sein, beträgt die monatliche Erhöhung für die beiden maximal 226 Franken.

Bernadette Lacombe, 31 Jahre alt, getrennt, zwei Kinder, wovon eines den Kindergarten, das andere die Primarschule besucht. Frau Lacombe erhält von ihrem Ex-Mann Kinderalimente. Sie arbeitet in zwei Teilzeitpensen –  als Personalassistentin und als Lehrerin in einer Klubschule. Als Personalassistentin verdient Frau Lacombe 40'000 Franken pro Jahr, als Lehrerin 23'000 Franken.

 

 

Mit Reform:

  • Frau Lacombe verdient in beiden Teilzeitstellen etwas mehr als 60'000 Franken pro Jahr. Durch die Reform wird der Koordinationsabzug bei kleinen Löhnen reduziert und nach Einkommen flexibel gestaltet (40% des Lohns). Auf ihrem Lohn als Personalassistentin beträgt der Koordinationsabzug 16'000 Franken, auf ihrem Lohn als Lehrerin 14'100 Franken.
  • Frau Lacombe hat durch den reduzierten Koordinationsabzug einen höheren versicherten Lohn und wird ein höheres Sparguthaben in der zweiten Säule aufbauen.

Kevin (29) und Miranda Bucheli (31) sind Jungbauern im Zürcher Oberland. Kevin Bucheli hat mit 29 Jahren den Hof und die Milchwirtschaft seiner Eltern übernommen. Er hat die Milchproduktion auf Bio umgestellt. Seine Frau Miranda hat einen eigenen Betriebszweig aufgebaut. Sie produziert Glacé vom Bauernhof, bietet «Schlafen im Stroh» sowie «Blumen zum selber pflücken» an. Die Buchelis haben ihr Erspartes in den Hof investiert. Vorläufig werden sie sich weder einen freiwilligen Einkauf in eine Pensionskasse, noch eine dritte Säule leisten können.

Mit Reform:

  • Kevin und Miranda Bucheli bezahlen als Selbständigerwerbende ihre Beiträge an AHV, IV und EO selber. Mit einem Jahreseinkommen von 44'800 Franken beträgt der AHV-Beitragssatz für Kevin Bucheli 5.9% (sinkende Beitragsskala der AHV-Beiträge bei Einkommen unter 56’400). Dieser Satz wird ab 2021 um 0.25% erhöht, womit der Jungbauer einen Beitragssatz von 6.15% zahlen wird.
  • Miranda Bucheli erzielt ein Einkommen von 15'000 Franken. Ihr AHV-Beitragssatz wird ab 2021 neu von 4,2% um 0,15 Prozent auf 4,35% erhöht.
  • Die Buchelis tragen so zur Finanzierung der AHV-Zuschläge für Einzelpersonen und Ehepaare bei. Die Bauernfamilie wird ohne Pensionskasse und dritte Säule vom AHV-Zuschlag und der Erhöhung des Ehepaarplafonds profitieren. 

Giuseppina Manfredo ist im letzten Lehrjahr. Sie hat eine Anstellung in einer Zahnarztpraxis in Lugano in Aussicht.

 

Mit Reform:

Giuseppina Manfredo wird ihre Altersrente unter den neuen Bestimmungen aufbauen:

  • Sie wird ab 2021 mehr Lohnprozente an die AHV entrichten (+0.15%). Damit finanzieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber den AHV-Zuschlag für Einzelpersonen (70 Franken) und Ehepaare (max. 226 Franken).
  • Manfredo baut ihre berufliche Vorsorge unter dem Umwandlungssatz von 6% auf, wird aber genug lange sparen können, um die tiefere Rente aufzufangen. Zwischen 35 und 54 wird sie ein Lohnprozent mehr in die berufliche Vorsorge einzahlen, was ihre BVG-Rente verbessert.
  • Manfredo wird mit 65 Anrecht auf den AHV-Zuschlag haben (70 Franken als Alleinstehende / max. 226 Franken als Ehepaar).

Eine sichere Altersvorsorge ist uns ein grosses Anliegen. Darum setzen wir uns für die Reform Altersvorsorge 2020 ein.

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