Reform Altersvorsorge 2020

Schon bei der Schaffung der AHV stand Pro Senectute Pate und sie hat massgeblich dazu beigetragen, dass die 2. Säule obligatorisch wurde. Eine nachhaltige und zeitgemässe Ausgestaltung der Altersvorsorge ist ein Kernanliegen unserer Stiftung. Die Präsidentenkonferenz von Pro Senectute hat deshalb an ihrer Sitzung vom 22. Juni 2017 beschlossen, die Reform Altersvorsorge 2020 zu unterstützen. Wir betrachten sie als wichtigen Schritt zur Sicherung der heutigen und künftigen Renten.

Was würde sich mit der Altersreform 2020 ändern?

Nachdem mehrere AHV-Reformen gescheitert sind, unternimmt die aktuelle Reform einen neuen Ansatz. Dabei werden die 1. und 2. Säule (AHV und berufliche Vorsorge) im Paket neu ausgerichtet. Ziel der Reform ist die Sicherung der Finanzierung der Sozialwerke bis 2030, dies ohne dass Senioren und Seniorinnen Abstriche bei den Leistungen gewärtigen müssen.

Kernpunkte der Altersreform 2020 sind:

  • die Anhebung des Frauenrentenalters von 64 auf 65 Jahre
  • Zusatzfinanzierung der AHV durch Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0.6 Prozent
  • Senkung des Umwandlungssatzes von 6,8 auf 6 Prozent
  • Erhöhung der AHV-Renten um monatlich 70 Franken (Einzelpersonen), bzw. maximal 226 Franken (Ehepaare) für künftige Pensionierte
  • Flexibilisierung der individuellen AHV-Bezüge

Wichtigste Änderungen auf einen Blick:

Rentenalter Frau

64 → 65
(Erhöhung Rentenalter um drei Monate pro Jahr, einheitliches Rentenalter 65 für Frauen und Männer ab 2021)

Flexibler
AHV-Bezug

Rentenbezug zwischen 62 und 70 Jahren möglich
Einführung des Teilrentenvorbezugs und Teilrentenaufschubs

Umwandlungssatz*

6.8 → 6.0 %
(Senkung in vier Schritten ab 2019, ab 2022 gilt für alle Neurentner der Umwandlungssatz 6.0%)

AHV-Beitrag auf Löhnen

+ 0.3 % (+ 0.15% Arbeitnehmer und + 0.15% Arbeitgeber, ab 2021)

AHV-Rente*

+ CHF 70 / Monat für alle Neurentner

Ehepaarrente*

+ 5 % bis maximal + CHF 226 / Monat

MWST

+ 0.6%
(bisherige 0.3% MWST zugunsten von IV-Zusatzfinanzierung wird ab 2018 an AHV übertragen, ab 2021 um 0.3 % höherer Mehrwertsteuersatz )

Koordinationsabzug

Senkung auf 40% des Jahreslohns (minimal CHF 14'100 bis maximal CHF 21'150)

*Diese Neuerungen gelten nur für zukünftige Pensionierte (Männer ab Jahrgang 1953, Frauen ab Jahrgang 1954).Für Seniorinnen und Senioren, die bereits eine AHV-Rente beziehen, gelten diese nicht. Ihr Rentenniveau bleibt erhalten (kein Zuschuss von CHF 70/CHF 226, keine Senkung des Umwandlungssatzes). Bestehende Renten werden weiterhin an die Lohn- und Preisentwicklung gemäss Mischindex angepasst.

Das Bundesamt für Sozialversicherungen bietet Ihnen hier einen Überblick über die Vorlage im Detail.

Warum unterstützt Pro Senectute die Reform Altersvorsorge 2020?

Am 24. September stimmt das Schweizer Stimmvolk über die Reform der Altersvorsorge 2020 ab. Pro Senectute unterstützt die Vorlage aus folgenden Gründen:

  • Die Reform ist nach mehreren gescheiterten Versuchen dringend nötig. Sie ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um das schweizerische Rentensystem den sich verändernden demografischen, anlageseitigen und gesellschaftlichen Verhältnissen anzupassen. Die Sicherung des Rentensystems ist zentral für den generationenübergreifenden Zusammenhalt unserer Gesellschaft.
     
  • Der negative Trend im Finanzhaushalt der beiden Säulen wird mit der Vorlage abgebremst. Die gewonnene Zeit muss genutzt werden, um weitergehende Konzepte zur nachhaltigen Sicherung des Schweizer Rentensystems zu entwickeln.
     
  • Der Erhalt des Leistungsniveaus ist ein prioritäres Anliegen von Pro Senectute, da in der Schweiz jede achte Person im Pensionierungsalter von Altersarmut betroffen ist. Mit der aktuellen Vorlage bleibt das Leistungsniveau grundsätzlich erhalten.
     
  • Für Personen mit kleinen Einkommen und Teilzeitbeschäftigte werden die Möglichkeiten verbessert, innerhalb der beruflichen Vorsorge (BVG) zu sparen.
     
  • Pro Senectute unterstützt die Harmonisierung des Rentenalters von Frauen und Männern. Gleichzeitig erwarten wir, dass die Politik ihre Bemühungen für die Gleichstellung von Mann und Frau, für Lohngleichheit und für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf intensiviert.
     
  • Die Erhöhung der Mehrwertsteuer betrachten wir als moderat und vertretbar. Jung und Alt leisten damit einen Beitrag an die nachhaltige Finanzierung der AHV. Dies entspricht dem solidarischen Gedanken der 1. Säule.
     
  • Die Anpassung des Umwandlungssatzes sehen wir als notwendige Massnahme, um der Umverteilung von der Aktivgeneration zu den Rentnern und Rentnerinnen entgegenzuwirken. Die geplanten Kompensationen –u.a. die Erhöhung der AHV-Renten bei Neurentnern - sollte die Reduktion der Pensionskassenrenten genügend abmindern. Pro Senectute plädiert im Rahmen der Revision der Ergänzungsleistungen weiterhin dafür, dass der Kapitalbezug aus der 2. Säule eingeschränkt wird.
     
  • Wir begrüssen die neuen Möglichkeiten, den Renteneintritt flexibel zu gestalten. Die Schaffung von Teilrenten zwischen 62 und 70 Jahren ermöglicht den schrittweisen Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand.

Detaillierte Informationen zur Position von Pro Senectute finden Sie im Newsroom

Wie hat sich Pro Senectute in der Vergangenheit für die Reform der Altersvorsorge 2020 eingesetzt?

Pro Senectute hat von Beginn an die Reform der Altersvorsorge 2020 aktiv mitverfolgt und für die Paketlösung des Bundesrates geworben, z.B. mit einem Video-Statement von Werner Schärer, Direktor von Pro Senectute.

Pro Senectute hat auch an der Vernehmlassung zur Altersreform 2020 teilgenommen. Im Herbst 2015 veranlasste sie zudem eine repräsentative Umfrage zur Rentenreform. Die Resultate der Umfrage lesen und sehen Sie hier.

Als Fachorganisation für das Alter haben wir wiederholt sämtliche Akteure zu einer Annäherung aufgefordert. 

Pro Senectute wird sich auch in Zukunft aktiv dafür einsetzen, dass eine zeitgemässe Ausgestaltung der AHV und der beruflichen Vorsorge auf der politischen Agenda bleiben und das Rentensystem mittel- und langfristig gesichert wird.

Haben Sie Fragen zu Pro Senectute und zur Altersvorsorge 2020? Unsere Medienverantwortlichen stehen Ihnen gerne zur Verfügung.

Medienstelle kontaktieren