Pro Senectute Bibliothek

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Schwerpunkt

68 – was bisher im Jubiläumsjahr geschah... 

Mit neuen Publikationen und in den Medien wurde in diesem Jahr die 68er-Bewegung ausgiebig gewürdigt. Wir ziehen ein Zwischenfazit und stellen Ihnen im Jubiläumsjahr erschienene Beiträge – zumeist von 68er-Zeitgenossen, die nun im Rentenalter sind! – vor.

  • Rezension: Kurt Seifert, ehemaliger Leiter Forschung und Grundlagenarbeit bei Pro Senectute Schweiz, hat für uns das kürzlich erschienene Buch «68 – was bleibt?» des Basler Soziologen Ueli Mäder kritisch gelesen.
  • Fernsehen: Zeitzeugen-Runde in der SRF-Sendung Club und Generationengespräch zum Thema «68 und die Frauen».
  • Radio: Unterschiedliche Schlüsse zur gesellschaftlichen Bedeutung der 68er ziehen der Historiker Götz Aly und der Sozialphilosoph Oskar Negt im Programm-Schwerpunkt des Südwestdeutschen Rundfunks.
  • Klassiker: Entdecken Sie auch Klassiker zum Thema aus unserem Bibliotheksarchiv wieder:
    • «Krawall», der legendäre Dokumentarfilm von 1970 über die 68er-Jugend und den Globus-Krawall in der Beilage eines gleichnamigen Buchs.
    • Wir sind wenige, aber wir sind alle: Biografien der 68er-Generation in der Schweiz, 2008, von Heinz Nigg
  • E-Books:
    • …when I’m sixty-four: Die 68er in der Lebensphase Alter, von Hannelore Brümmerloh
    • Halbzeit des Lebens – was nun? Alt-68er und Babyboomer zwischen Engagement, Zweitkarriere und Ruhestand, von Henning von Vieregge.
  • Archivschätze: Das Sozialarchiv präsentiert seine im Zusammenhang mit dem "Globus-Krawalls" enstandenen Schätze.

Neuerscheinungen zum Thema

Revolte, Rausch und Razzien: Neunzehn 68er blicken zurück, hrsg. Von Samuel Geiser

«Die Fantasie an die Macht!»: Wie ein Fieber erfasste 1968 die Parole der Pariser Mai-Unruhen die Jugend weltweit. Nicht nur in Los Angeles, Paris, Berlin und Prag gingen junge Männer und Frauen auf die Strasse – auch in Bern, Biel und Burgdorf. Sie wollten alles anders, alles besser machen als ihre Väter und Mütter. Wie erlebten die Studierenden, Lernenden und Künstler von damals die Demos und Dauerdebatten, die politische, kulturelle und sexuelle Revolution – an der Uni, in den Beizen, in den WGs? Und was vom 68er-Aufbruch ist bei der heutigen Rentnergeneration noch spürbar?
Neunzehn Frauen und Männer aus dem Bernbiet erzählen, wie sie die damalige Zeit erlebt haben, und erinnern sich an die politisch heisse Zeit vor fünfzig Jahren.
Die Porträtierten: Silvio Ballinari, Angelika Boesch, Heinz Däpp, Therese Frösch, Barbara Gurtner, Pier Hänni, Lilly Keller, Regula Keller, Heidi Oberli, Marc Rudin, Max Rüdlinger, Paul Sautebin, Brigitte Schildknecht, John Schmocker, Beat Schneider, Vreni Schneider, Martin Schwander, Rudolf Strahm und Peter Vollmer.
Absolventinnen und Absolventen des Propädeutikums für Kunst und Design an der Schule für Gestaltung Bern realisierten für das Buch Illustrationen zu typischen Gebrauchsgegenständen aus der Zeit der 1968er-Bewegung.

Das Jahr der Träume: 1968 und die Welt von heute, von Benedikt Weibel

Niemals zuvor hat eine Jugendbewegung die Gesellschaft so verändert wie die 1968er. Drogen, sexuelle Befreiung, eine entfesselte Musik und Widerstand gegen Politik und Konventionen befruchteten sich gegenseitig. Weibel legt eine mit leichter Feder verfasste historische Collage einer ausserordentlich aufregenden Zeit vor.

Die 1960er-Jahre sind das ereignisreichste Jahrzehnt der Geschichte. Die Generation, die noch Krieg und Entbehrung erlebt hat, und die Nachkriegsgeneration, die in einer Zeit ungebrochenen Wachstums aufwächst, prallen wie zwei tektonische Platten aufeinander. Zunächst ist es die Musik, die den Zeitgeist prägt, dann Sex und Drogen, dann zunehmende Empörung: über die Ausbeutung der Dritten Welt, einen wahnwitzigen Krieg in Vietnam und unhaltbare Zustände an den Universitäten. Erstmals in der Geschichte entsteht eine internationale Jugendbewegung, die sich zunehmend politisiert. 1968 bricht der Vulkan aus und entlädt sich in Strassenschlachten über den ganzen Globus. Es folgen Katzenjammer, Ausnüchterung und die Zersplitterung der Bewegung.

50 Jahre später ist die Welt eine andere. Man fragt sich, ob die Forderung aus dem Pariser Mai 68 nicht wieder notwendig ist: «Die Phantasie an die Macht!»

Das waren noch Zeiten ... : Leserinnen und Leser der Zeitlupe erinnern sich

Miniröcke, Bumenkinder, Schlaghosen und lange Haare. Livekonzerte, Haschisch und Rock 'n' Roll. Schul- und Strafvollzugsreformen, Biolandwirtschaft und Studentenproteste. Kampf um mehr Frauenrechte und Autonomie, Auflehnung gegen die Familie und die herrschenden Verhältnisse. «Prager Frühling», Vietnamkrieg, Martin Luther King und die Globus-Krawalle: 1968 und die Folgejahre waren eine Epoche des kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Umbruchs.

Zeitlupe-Leserinnen und -Leser erinneren sich im sechsten Band von «Das waren noch Zeiten...» in sehr persönlichen Geschichten an Erlebnisse und Anekdoten aus dieser bewegten Zeit. Entstanden ist eine anregende Lektüre für Alt und Jung, die mit stimmigen Bildern die legendären Jahre rund um 1968 wieder aufleben lässt.

Paris, Mai ’68: ein Erinnerungsroman, von Anne Wiazemsky

Für die junge Schauspielerin ist alles neu: ihre plötzliche Berühmtheit und die Ehe mit Jean-Luc Godard, die Welt ihres Mannes und die Themen, die Studenten, Arbeiter und Intellektuelle auf die Barrikaden treiben.

Januar 1968. Das frisch verheiratete Paar Godard-Wiazemsky bezieht sein »Liebesnest« im Pariser Quartier Latin. Godard ist siebenunddreißig, Wiazemsky zwanzig Jahre alt. Als im Mai die Revolte losbricht, verfolgt Anne das mit Sympathie und Interesse, ohne selbst politisiert zu werden. Sie steht mit Jacques Brel vor der Kamera und nimmt gelegentlich auf Rollschuhen an den Demonstrationen teil. Anne Wiazemsky erzählt von Dreharbeiten in Italien oder von der Rückreise aus Cannes mit Gilles Deleuze, von ihrem Jugendfreund Daniel Cohn-Bendit und von der Begegnung mit den Beatles in London, wo Paul McCartney sie auffordert, mit ihm unterm Tisch Tee zu trinken. Während sie ihre Jugend und den neuen Ruhm genießt, erwachsener wird und sich befreit, radikalisiert sich Godard zusehends. Er träumt von einem revolutionären Kino und wird zugleich krankhaft eifersüchtig auf seine junge Frau.

Nach dem erfolgreichen Roman »Mein Berliner Kind« erscheint nun dieses spannende, subjektive Erinnerungsbuch voller Anekdoten – ein authentisches Zeugnis der 68er-Aufstände in Frankreich und eine berührende Liebesgeschichte.

1968: Worauf wir stolz sein dürfen, von Gretchen Dutschke

Unter den Neuerscheinungen zu 1968 wird diese Bilanz eines gesellschaftlichen Aufbruchs gleichzeitig eine der persönlichsten und eine der kritischsten sein. Persönlich, weil nicht nur die Sicht der Autorin, sondern auch ihre von heutiger Warte aus bisweilen bizarren Erlebnisse zum Tragen kommen. Kritisch, weil sie, obwohl so mitten im Geschehen, immer die zwar sympathisierende, aber eben auch distanzgeprägte Sicht auf eine dann doch fremde Gesellschaft behält. Auf dieser Grundlage gelingt es ihr, die bleibenden Erfolge , Errungenschaften , Botschaften der mittlerweile historischen 68er zu vermitteln, die weit über das hinausgehen, was in der Zeit selbst im engeren Sinne politisch verhandelt wurde.

1968: 100 Seiten, von Wolfgang Kraushaar

Ein halbes Jahrhundert ist mittlerweile vergangen seit jenem legendären Jahr 1968. Wolfgang Kraushaar, der wohl beste Kenner der 68er Bewegung, schildert die Ereignisse jenes Jahres und ihre Nachwirkungen, charakterisiert die Wortführer – Reformer und Revoluzzer –, zeigt die globale Dimension der Studentenrevolte und zieht ein politisches Fazit. Besondere Kapitel sind dem Sound der Revolte, der Revolte der Frauen und den Lebensbahnen derer gewidmet, die 1968 eine herausragende Rolle spielten.

Die Angstmacher: 1968 und die Neuen Rechten, von Thomas Wagner

Mit dem Aufkommen der AfD droht die Neue Rechte breite bürgerliche Schichten zu erfassen. Wer sind ihre Ideengeber, und worin haben sie ihre Wurzeln? Thomas Wagner stellt erstmalig heraus, wie wichtig »1968« für das rechte Lager war, weil es einen Bruch in der Geschichte des radikalrechten politischen Spektrums markiert, der bis heute nachwirkt. Das zeigen unter anderem die Gespräche, die Wagner mit den Protagonisten und Beobachtern der Szene geführt hat, darunter Götz Kubitschek, Ellen Kositza, Martin Sellner, der inzwischen verstorbene Henning Eichberg, Alain de Benoist, Falk Richter und Frank Böckelmann. Wagners Buch liefert eine spannende Übersicht über die Kräfte und Strömungen der Neuen Rechten und ihre Ursprünge.

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