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Biografiearbeit und Erinnerungspflege

Das Phänomen der demenzkranken Menschen, die nicht mehr sprechen, dafür aber Lieder singen können, fasziniert immer wieder. Das Hörsystem bleibt im Gegensatz zu anderen Hirnregionen weitgehend frei von demenziellen Veränderungen. Für die Biografiearbeit mit Demenzkranken ist die Musik ein wichtiger Bestandteil, denn sie kann Kanäle zu anderen Erinnerungsbereichen öffnen. Doch auch bei gesunden alten Menschen weckt Musik Erinnerungen und positive Gefühle und stärkt deren Identität und Selbstbewusstsein.

Geeignete Musik für die Biografiearbeit und Erinnerungspflege zu finden, bildet eine grosse Herausforderung. Die Individualität einer Person, die durch Sozialisation, Kultur und Neigungen bestimmt ist, darf nicht unterschätzt werden. Bei der Auswahl für die Bibliothekssammlung wurden diese Faktoren berücksichtigt: So finden sich neben alten Schlagern der Geschwister Schmid oder von Lale Andersen auch Neapolitanische Tanzmusik und neben zeitlosen Werken der Klassischen Musik auch Aufnahmen von Ostschweizer Naturjodel.

Alle Tonträger zum Thema Biografiearbeit finden Sie im Katalog.

Rezensionen

Kalenderbräuche sind Volksbräuche, die an einem bestimmten Tag im Jahr wiederkehren. Sie künden sich mit traditionellen Gebäcken an: Chneuplätze in der Fasnachts-, Chräpfli in der Chilbi- oder Grittibänze in der Adventszeit. Gleichzeitig machen Brauchträger ihre Kostüme, Musik- und Lärminstrumente bereit und ­proben traditionelle Lieder.

Einige unter ihnen wie das Escalade-Lied der Genfer stammen aus der Reformationszeit. Tierhörner, wie sie von den Hornbuebe in Pratteln geblasen werden, lassen sich als Hirten- und Militärinstrumente bis ins 15. Jahrhundert zurückver­folgen. Das Feldspiel der alten Eidgenossen, Pfeife und Trommel, ist an der Basler Fasnacht, am vignolage in Sierre und beim Einzug des Sankt Nikolaus in Fribourg lebendig geblieben. Vogel Gryff, Leu, Wild Ma in Basel und die Nüssler in Steinen, Schwyz und Brunnen tradieren alte Trommeltänze. Chlefeli, ­tablèchs, Ratschen und Holzhämmer passen zur Passion, heitere Märsche und Tänze zum Sommer.

Traditionelle Melodien und Rhythmen haben eine integrative Kraft. Sie erreichen Kinder und Erwachsene, einheimische und vom Ausland zugezogene Menschen, Touristen und gar Heimwehschweizer.

Brigitte Bachmanns neue CD dokumentiert immaterielles Kulturerbe und hilft, schweizerische Musik­kultur zu bewahren.

Diese Benefiz-CD mit zwölf Filmmusik-Klassikern soll Brücken schlagen: zu schönen Erinnerungen und zu den rund 113 000 Menschen in der Schweiz, die an Alzheimer oder einer anderen Demenzform erkrankt sind.

Sämtliche Titel wurden 2014 mit dem Orchester Ambros Seelos neu eingespielt.

Die Idee, Lieder zum Erinnern auf Tonträger festzuhalten, kam der Autorin und Liedermacherin Erica Brühlmann-Jecklin beim Schreiben ihrer drei Bücher ("Sofia", "Alice singt" und "Rosenkind"), in denen ein Stück Schweizersozialgeschichte des 20. Jahrhunderts festgehalten ist. Zufall, dass die drei Hauptpersonen alle im Jahr 1913 geboren sind, aber kein Zufall, dass sie alle ihr Leben lang von Liedern begleitet wurden, die ihnen Lebensfreude schenkten, auch Kraft, ihre der Zeit entsprechend nicht einfachen Schicksale zu meistern. Gesungen wurde in der Schule, in der Kirche, daheim und anderswo, auf der Alp genauso wie in der Küche, im Kirchenchor oder im Schneideratelier. Mit dieser Doppel-CD soll mitgeholfen werden, Volksliedgut aus jener Zeit zu erhalten.

Die Sängerinnen hatten bei den Tonaufnahmen nicht den Anspruch, eine perfekte Leistung zu erbringen, und haben deshalb eine einfache dreistimmige A-capella-Version gewählt. Sie erlaubten sich auch, Lieder, die meist von Männern gesungen werden, etwa den Schacher-Seppeli, die Lorelei oder Nach der Heimat kehr ich wieder aufzunehmen. Es ist ihnen ein Anliegen, dass die Leserinnen und Leser – wie innerhalb der Familie – mitsingen können. Die Reihenfolge der Lieder auf den zwei CDs entspricht der ihres Vorkommens in den erwähnten Büchern.

52 Lieder sind es, festgehalten von zwei Formationen: 14 von den Liedermacherinnen der Gruppe "SAITENsprung ARTiger Frauen", die übrigen von den "Drei Bündnerinnen". Wer immer sich die Lieder anhört, erinnert sich und mag mitsingen.

«Forum Alpinum: Anthologie authentischer Volksmusik aus den Schweizer Bergen» wurde eine Schallplattenreihe benannt, welche als Folge der 1964 in Lausanne durchgeführten Landesausstellung von einer Studiengruppe konzipiert wurde. Die vom Zytglogge-Verlag neu edierte Sammlung besteht aus 4 CDs mit alten Volksmusikaufnahmen aus allen Landesteilen.

Auf der ersten CD sind musikalische Zeugnisse aus dem Jura, der Gruyère, den Waadtländer Alpen und dem Wallis versammelt. Die reichhaltige Chortradition im Kanton Freiburg ist durch bekannte mehrstimmige Chorlieder wie «La Youtze» von Joseph Bovet repräsentiert. Aus dem Jura finden sich Volkslieder wie «Passager viens» (vorgetragen als Jodel-Duett), «Le meunier» oder «Jâdine» ebenso wie Stücke mit dem jurassischen «Nationalinstrument» Akkordeon. Für die Volksmusik aus dem Wallis stehen die Pfeifer und Trommler aus St. Luc, die Hackbrettspieler Walpen aus dem Goms und die Geigenmusiker der Walliser Spiellit. Naturjodel und Alphornweisen ergänzen die Aufnahmen auf dieser CD.

Der «schlääzige» Geigenklang hervorgerufen durch den «buuchige Strech» macht die Appenzeller Streichmusik ebenso unverwechselbar wie ihre «originale» Besetzung mit zwei Violinen, einem Cello, einem Kontrabass und einem Hackbrett.

Die auf dieser CD zu hörende Streichmusik Alder aus Urnäsch wurde 1884 gegründet und musiziert nun in der 3., 4. und 5. Generation. Keine andere appenzellische Musikformation hat so viel Berühmtheit erlangt, was sich durch Auftritte in den USA (mit Stars wie Dolly Parton!), Asien oder im Nahen Osten äussert.

Zum Andenken an den legendären Hackbrettler und das langjährige Gruppenmitglied Emil Zimmermann, der oft mit der Appenzeller Tabakpfeife im Mund abgebildet ist, spielte die Streichmusik Alder eine CD mit bekannten Stücken ein. «Min Schatz isch kei Zocker», «Birewegge-Polka», «Appezeller-Landsgmend-Lied» sind ewige Hits. Neben Saiten erklingen aber auch Kinderstimmen (Schülerchor Gais), Kuhglocken («Schelleschötte»), Taler (Talerschwingen), und Zäuerli (Naturjodel).

In «klassische Ohren» haben sich die Themen aller drei Sätze dieses Meisterwerks von Beethoven, bei dem sich liedhafte mit den für den Komponisten typischen majestätischen Passagen abwechseln, tief eingegraben. Zu seiner Zeit wenig gespielt, galt die Komposition nach Beethovens Tod bald als Prototyp des Violinkonzerts und wurde unzählige Male interpretiert.

Manchen mögen auch die genialen und gefühlvollen Interpretationen von Yehudi Menuhin, der in der Schweiz eingebürgert wurde und hier auch viele Konzerte gab, in Erinnerung geblieben sein. Die vorliegende CD gibt eine Einspielung aus den 1960er-Jahren mit den Wiener Philharmonikern unter Leitung von Constantin Silvestri wieder.

Aus heutiger Perspektive ist es nur schwer vorstellbar, dass das Radio bis in die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts hinein einer der wenigen Kommunikationsträger war, der mediale Unterhaltung bot. Dazu kommt, dass das Angebot an Sendern gering war. Zeitweise waren es nur Landessender wie Radio Beromünster, die empfangen werden konnten. Während heute der Zugang zu jeglicher Musik scheinbar unbegrenzt ist, wurde der „Sound“ dieser Radiostationen durch die sendereigenen Radio-Orchester geprägt.

Auf der vorliegenden Edition ist auf 4 CDs die Geschichte der Schweizer Radio-Unterhaltungsorchester dokumentiert. Die Ära im Studio Basel für Radio Beromünster beginnt 1944 mit den Orchestern von Bob Huber und Cedric Dumont. Aus dieser Zeit finden sich auch Aufnahmen mit bekannten Schlagersängerinnen und -sängern wie Lys Assia, Vico Torriani oder den Geschwistern Schmid. Ab den 70er-Jahren wurde im Radio-Studio Zürich gearbeitet: Die „DRS-Big Band“ unter der Leitung von Hans Moeckel erlangte grosse Bekanntheit durch ihr Engagement für die Fernsehsendung Teleboy mit Kurt Felix.

Den individuellen Musikvorlieben älterer Spanier in der Schweiz soll anhand dieser Auswahl verschiedener Flamenco-Meistersänger Rechnung getragen werden. Eine Besonderheit dieser Sänger ist ihr Jahrgang: Alle Sänger wurden im 19. Jahrhundert geboren. Es handelt sich hierbei also um historische Aufnahmen, die noch auf Schellackplatten kopiert wurden und damit auch die Klänge alter Zeiten wiedergeben.

Diese 5-CD-Box umfasst die Geschichte der Rock- und Popmusik in der Schweiz von den Anfängen bis 1985, stilistisch unterteilt in Beat, Rock, Mundart, Pop und Wave. Die CD "Beat" zeigt die Wurzeln des Schweizer Rock von den Anfängen des Westschweizer "Yé Yé"-Sounds bis zu den psychedelischen Tönen der 68er-Generation. Dazu gehören Interpretationen von Hula Hawaiians (1957), Les Aiglons (1963), The Sevens (1965) und Les Sauterelles (1966).